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Frucht des Geistes: Enthaltsamkeit

von Nina Meyer


Diese Themen-Reihe beschäftigt sich mit der „Frucht des Geistes“.

Diese Frucht ist das Ergebnis eines Lebens mit dem Heiligen Geist im Vergleich zu einem Leben aus dem „Fleisch“, also aus weltlicher Prägung, heraus. Wir finden die Aufzählung der Eigenschaften dieser Frucht im Paulus-Brief an die Galater:

„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.“ Galater 5,22-23




„Ich esse Schokolade nur an Tagen, die auf „G“ enden. Und mittwochs.“


Diesen Spruch lese ich auf vielen Postkarten, die in den Küchen von Freunden hängen. Was hat Schokolade nun aber mit Enthaltsamkeit, der letzten Frucht des Geistes, zu tun?


Dreht sich der letzte Teil der Frucht des Geistes nicht nur um Sexualität und die Abstinenz bis zur Ehe?

Es liegt nahe zu denken, dass wir nach der Hochzeit diese letzte Eigenschaft vernachlässigen dürfen, da die enthaltsame Phase ja nun aus biblischer Sicht beendet ist.

Das stimmt nur in Teilen. Denn die eine Frucht des Geistes besteht aus 9 Eigenschaften. Sie bleibt jedoch eine einzige Frucht und stellt keinen Obstkorb dar, aus dem ich mir meine Lieblingsfrüchte entnehmen darf. Nur mit und dank der 9. Eigenschaft „Enthaltsamkeit“ leben wir ein Leben aus dem Heiligen Geist heraus.


Enthaltsamkeit setzt neben „kein Sex vor der Ehe“ auch in weiteren Lebensbereichen, denen eine gewisse Selbstbeherrschung oder Geistbeherrschung nicht schadet, ein:

„Besser ein Langmütiger als ein Held, und besser, wer seinen Geist beherrscht, als wer eine Stadt erobert.“ Sprüche 16,32

Die Corona-Zeit zwingt Viele von uns ebenfalls zu Enthaltsamkeit. Wir konnten eine Zeit lang keine Freunde treffen, nicht unserem Lieblingscafé einen Besuch abstatten, dem Wunsch nach Fliegen in weite Länder nachkommen.

Viele von uns nutzen zudem die 40 Tage vor Ostern, um eine alltägliche Gewohnheit zu unterbrechen oder ein wichtiges Grundnahrungsmittel zu fasten bzw. hier expliziten Verzicht zu üben. Worauf wird in Deutschland am Liebsten vor Ostern verzichtet?


Platz 1: Zucker

Platz 2: Alkohol

Platz 3: Fernsehen

dann soziale Medien, Kaffee, Fleisch.

Hier ist es wichtig, dass wir nicht nur uns selbst beherrschen, da es gerade „in“ ist oder es gerade die offizielle Fastenzeit ist.

Sondern, dass wir uns in dieser Zeit ausstrecken nach etwas Neuem, das diese Lücke füllen darf.

Das Jahresmotto der Chapel lautet „BLEIBEN“: Bleiben am Weinstock, Bleiben am Wort, Bleiben an Gottes Herz.


An was möchte ich BLEIBEN, wenn ich bewusst enthaltsam leben möchte?

„Wer im Wettkampf siegen will, setzt dafür alles ein. Ein Athlet verzichtet auf vieles, um zu gewinnen. Und wie schnell ist sein Siegeskranz verwelkt! Wir dagegen kämpfen um einen unvergänglichen Preis.“ (1. Korinther 9,25)

Paulus beschreibt in diesem Brief an die Korinther seine Verkündigung des Evangeliums wie in einem Wettkampf. Ein Athlet hat nur dieses eine Ziel vor Augen: das Gewinnen des Wettstreits.

Das Gleiche sehen wir vor der Fußball-WM, wenn die Nationalmannschaft in ihr Trainingslager einzieht. Es gibt strenge Schlaf-Zeiten, Trainingseinheiten, Ernährungsrichtlinien, Besuchsregelungen. Die Wochen vor dem Wettkampf sind nur darauf gerichtet, sich für die relevanten Spiele mit größter Selbstbeherrschung vorzubereiten.

Paulus schreibt dann im Brief an die Philipper: „Damit kämpft ihr nun denselben Kampf wie ich. Und wie dieser Kampf aussieht, habt ihr ja früher selbst mit angesehen. Jetzt kann ich euch davon nur berichten.“ (Philipper 1,30).

Wir kämpfen also den gleichen Kampf in der Verkündigung des Evangeliums. Wir brauchen nicht so streng zu leben, wie es die Fußball-Nationalspieler vor der Weltmeisterschaft tun. Dennoch sollten wir Gott gehorsam sein und seinen Wegweisungen und seinen Geboten folgen. Diese sind klar in seinem Buch an uns verfasst und treffen mich oft wie einen Pfeil, wenn ich sie lese und meine mangelnde Selbstbeherrschung daneben stelle.

„»Es ist alles erlaubt«, sagt ihr. Das mag stimmen, aber es ist nicht alles gut. Mir ist alles erlaubt, aber ich will mich nicht von irgendetwas beherrschen lassen. Ihr schreibt: »Das Essen ist für den Bauch, und der Bauch für das Essen. Beides hat Gott zur Vergänglichkeit bestimmt.« Das ist schon richtig. Aber es bedeutet nicht, dass Gott uns den Körper gab, damit wir sexuell unmoralisch leben! Vielmehr wurde auch unser Körper zum Dienst für den Herrn geschaffen. Deshalb ist es Gott nicht gleichgültig, wie wir damit umgehen.“ 1. Korinther 6,12 + 13

In welchen Bereichen fehlt es dir an Enthaltsamkeit?

„Du bist, was du isst.“

Ein plakativer Filmtitel, der natürlich nur bedingt stimmt. Ich darf durch Gottes Gnade viel mehr sein, als was ich zu mir nehme.


Was ich heute wann esse und trinke, liegt in meinem Ermessen. Hier gibt es keine Rezepte oder Kaloriengrenzen in der Bibel zu finden. Mir ist bewusst, dass ich meinen Körper wie Gottes Tempel sehen und behandeln sollte. Dass eine ganze Tafel Schokolade meinem Körper und Wohlbefinden nur kurzfristig, aber nicht langfristig gut tut, habe ich bereits lange verinnerlicht.

Und doch behandele ich meinen Körper oft nicht wie Gottes Tempel. Gerade jetzt während meiner Schwangerschaft habe ich ein großes Verlangen nach einem Schluck Wein am Abend, dem leckeren Lachs-Sushi-Röllchen oder dem extragroßen Stück Kuchen. Doch all diese Dinge tun nicht nur mir, sondern vor allem dem kleinen Ungeborenen nicht gut. Und somit habe ich von einem auf den anderen Tag eine große Selbstbeherrschung entwickeln und kultivieren müssen.

Dies gelingt, da ich das große Ganze dahinter verstanden habe. Ich habe verstanden, dass jeder Schluck Alkohol gewisse Wachstumsphasen oder Entwicklungen von Nervenzellen verhindern kann.

Bestimmte oder zu wenige/viele Nahrungsmittel können für jeden von uns zu etwas Schlechtem werden, wenn diese uns beherrschen. Paulus setzte alles daran, sich von nichts beherrschen zu lassen oder von etwas versklavt zu werden. Deshalb legt er eine immense Disziplin an den Tag, damit er die Kontrolle über seinen Leib hat (1. Korinther 9,27).

„Sport ist Mord“

Dies ist vermutlich der Lieblingsspruch unter Schülern im Sportunterricht.

Nicht nur seit der Corona-Krise ist die Couch mit der Serie so nah und ich darf täglich neu die Entscheidung treffen, ob ich 40 Minuten Serie gegen 40 Minuten Bewegung eintausche.



Dass ich mich täglich mindestens eine halbe Stunde aktiv bewegen und den Puls täglich einmal erhöhen sollte, ist keine Neuigkeit für Viele von uns. Dies steht ebenfalls nicht explizit in der Bibel, aber sorgt für einen inneren Ausgleich, eine Erhöhung meiner Kondition, zusätzlicher Zeit mit Gott, einem Wohlfinden in meinem Körper, Gottes Tempel. So lange ich keine Sportsucht entwickele, die mich beherrscht, ist auch hier Enthaltsamkeit anderer Aktivitäten sinnvoll, um sie gegen Bewegung einzutauschen.

Auch hier kann ich Enthaltsamkeit oder zumindest Reduzierung bestehender Muster üben, um z.B. Zeit mit Gott bei einem Spaziergang nach dem Feierabend zu verbringen oder beim Schwimmen über einen bestimmten Bibelvers nachzudenken.

„Kein Sex vor der Ehe“


Na endlich! Enthaltsamkeit und sexuelle Aktivität werden so gerne gedanklich miteinander verknüpft.

1. Korinther 7 macht ganz klar, dass die ausgelebte Sexualität in die Ehe gehört und vor der Eheschließung keinen Platz hat. Ein verlobtes Paar sollte sich also bewusst sein, dass Geschlechtsverkehr nicht in die Verlobungszeit gehört. Gott segnet die Menschen, die sich entsprechend verhalten.


Dies geht nach der Eheschließung noch weiter:

„Denn wer sich mit einer Hure einlässt, der wird ein Leib mit ihr. Ist euch das nicht klar? Es heißt ja schon in der Heiligen Schrift von Mann und Frau: »Die zwei werden eins sein mit Leib und Seele.« Wenn ihr dagegen in enger Verbindung mit dem Herrn lebt, werdet ihr mit ihm eins sein durch seinen Geist. Hütet euch vor jeder verbotenen sexuellen Beziehung! Denn mit keiner anderen Sünde vergeht man sich so sehr am eigenen Körper wie mit sexuellem Fehlverhalten.“ 1. Korinther 6, 16-18

Hier ist die Schrift klar und macht deutliche Aussagen.

Wie kann ich nun also konkret enthaltsam leben?

(a) Lenke dich ab

Wenn du an das Stück Schokolade denkst, das jetzt nicht in deinen Speiseplan gehört, dann lenke dich ab. Bereite schon einmal dein Frühstück für den nächsten Tag vor. Rufe eine Freundin an. Bringe den Müll heraus.


(b) Versuche zu verstehen

Verstehe die Hintergründe, warum du in einem bestimmten Bereich mehr Selbstbeherrschung benötigst. Warum ist dies eine schlechte Gewohnheit für dich? Bitte Gott um konkrete Antworten. Es gibt zudem zahlreiche Erklärungen, warum zu viel Zucker, Sex vor der Ehe, zu viel Kaffee-Konsum oder der Vergleich mit Anderen in sozialen Medien uns nicht gut tun und nicht Gottes Plan für unser Wirken auf der Erde sind.


(c) Suche dir Weggefährten

Zusammen sind wir so viel stärker und disziplinierter. Erzähle einem vertrauten Weggefährten von deiner fehlenden Selbstbeherrschung in einem Lebensbereich. Bitte ihn dich regelmäßig danach zu fragen und dich zur Rechenschaft zu ziehen. Das klingt hart ist aber sehr wirksam.


(d) Setze dir Grenzen

Vermeide und verhindere nicht enthaltsame Aktivitäten, in dem du Süßigkeiten, Alkohol, Kaffee nicht auf Vorrat hast. Setze dir bei sozialen Medien ein zeitliches Limit oder lösche bestimmte Apps auf dem Smartphone.


(e) Mitgehangen mitgefangen?

Frage deinen Partner / Mitbewohner, ob ihr gemeinsam die Enthaltsamkeit übt und Maßnahmen umsetzt und euch somit nicht gegenseitig in Versuchung bringt.


(f) Fülle die neue Leere

Nutze die neue Zeit und Energie, um dich neuen Hobbies zu widmen oder mehr Zeit mit Gott in der Stille zu verbringen. Frage Gott, was er Neues für dich vorsieht, wenn du alte Gewohnheiten (zeitweise) veränderst.


(g) Gib die mangelnde Selbstbeherrschung an Gott ab

Bitte Gott noch heute darum, dass er dir dank des Heiligen Geistes hilft in einer Gewohnheit enthaltsam zu leben. So führst du ein Leben, in dem dein Umfeld das Wesen Jesu erkennt. Wer klopft, dem wird aufgetan!


Ein enthaltsamer Mensch hat Kontrolle über seinen Körper und verzichtet auf die Sachen, die ihn davon abhalten für das Reich Gottes zu kämpfen. Dies gelingt in meinem Leben nur mit Gottes Hilfe und durch seine Gnade.


Sicherlich hast du Gewohnheiten, die du nicht sofort beenden oder eindämmen kannst.


Ich möchte dir zusprechen, dass der Heilige Geist mehr als genug Kraft hat, um dir dort heraus zu helfen.

Gehe mit ihm gemeinsam diesen Weg. Auch wenn es nur ein kleiner Schritt (oder ein Stück Schokolade weniger) pro Tag ist.

NAME: Nina Meyer

FAMILIENSTATUS: verheiratet, mit 1. Kind schwanger

BERUF: Vertriebsleitung in einem IT-Konzern

CHAPEL: Kommunikationsteam, Leitung einer Kleingruppe für junge Erwachsene

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