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Frucht des Geistes: Freundlichkeit

von Bernd Hunger


Diese Themen-Reihe beschäftigt sich mit der „Frucht des Geistes“.

Diese Frucht ist das Ergebnis eines Lebens mit dem Heiligen Geist im Vergleich zu einem Leben aus dem „Fleisch“, also aus weltlicher Prägung, heraus. Wir finden die Aufzählung der Eigenschaften dieser Frucht im Paulus-Brief an die Galater:

„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.“ Galater 5,22-23




Ein indisches Märchen erzählt von einem Hund, der in einem Zimmer umherirrte, in dem alle Wände Spiegel waren. Er sah plötzlich viele Hunde. Da wurde er wütend, fletschte die Zähne und knurrte. Alle Hunde im Spiegel wurden ebenso wütend, fletschten die Zähne und knurrten. Der Hund erschrak und fing an, panisch im Kreis herumzulaufen. Schließlich brach er tot zusammen. Hätte er nur ein einziges Mal gewedelt, so hätten ihm alle seine Spiegelbilder das freundliche Bild zurückgeworfen.

Schon meine Eltern pflegten zu sagen: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es aus ihm heraus“. Ein freundliches Gesicht wirkt ansteckend. Ein freundliches Wort wirkt aufbauend, so sagt schon die Bibel in Sprüche 12,25:


„Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn.“

Ich kann anderen Menschen äußerst freundlich begegnen, von den ich etwas möchte oder die mir Gutes tun, die nützlich oder die mir sympathisch sind. Meine geliebte Frau bestätigt mir immer wieder, dass ich zu anderen Menschen sehr freundlich bin - nur nicht immer zu ihr! Und was ist mit den ständigen Nervensägen, den Unsympathischen, den Egoisten, meinen Mitarbeitern, die nicht so arbeiten, wie sie sollen? Oder sogar den Menschen, die mich nicht ausstehen können? Ich ertappe mich dann oft bei einer aufgesetzten Freundlichkeit, einer unterschwelligen Gereiztheit, bin kühl, zurückhaltend oder versuche diesen Menschen aus dem Weg zu gehen.


Es gibt Menschen, bei denen man das Gefühl hat, dass ihnen die Freundlichkeit angeboren ist. Sie haben einfach ein freundliches Gesicht und eine positive Ausstrahlung. Mir ist die Freundlichkeit nicht angeboren. Ich muss seit Jahren ins Freundlichkeits-Training. Ich will immer mehr lernen, ehrlich freundlich zu sein.

Warum? Denn „ein freundlicher Blick erfreut das Herz“ (Sprüche 15,30). Wenn mir jemand freundlich begegnet, macht es mein Herz leichter. Freundlichkeit nimmt immer eine Last weg. Sie befreit. Gerade Menschen, die zum Grübeln neigen, haben mit vielen Bedenken zu kämpfen und sind oft unsicher. Da bewirkt ein freundlicher Blick und ein freundliches Wort sehr viel. Wenn im Alten Testament von Freundlichkeit die Rede ist, steht im Hebräischen meistens ein Wort, das „gut“ oder „Güte“ bedeutet. Diese erste Wirkung von Freundlichkeit heißt: „Ich bin nicht gegen dich, ich bin dir gut." Einen besseren Auftakt in einen Austausch gibt es doch nicht. Das will ich noch mehr lernen.


Wörtlich übersetzt heißt der Vers sogar: „Ein Leuchten der Augen erfreut das Herz.“ Bist du schon mal einem Menschen begegnet, dessen Augen geleuchtet haben, als er dich gesehen hat? Man spürt, dass er sich über mich freut und echt an mir interessiert ist. Er verbreitet nicht gute Laune, sondern macht mein Herz froh. Wer will nicht solchen Menschen begegnen und selbst so ein Mensch sein?

Es gibt nur einen Grund, der unsere Augen zum Leuchten bringt: Wenn mir jemand am Herzen liegt. Nur was mir am Herzen liegt, bekommt meine ganze Aufmerksamkeit und Zuwendung. Und daraus folgt: Es liegt an meinem Herzen, wenn ich nicht freundlich sein kann. Wenn mein Herz leer und unruhig ist, können meine Augen nicht leuchten.


Ich will da von Jesus lernen. Er hat sich umgeben mit den Nervensägen (Kindern), den Egoisten (Zöllner), den Unsympathischen (Prostituierte, Ehebrecher). Er hatte dauernd Mitarbeiter (Jünger), die nicht so arbeiteten, wie sie sollten und viele Menschen konnten ihn nicht ausstehen. Viele Juden wollten ihn sogar töten. Er ging freundlich auf sie zu und hat ihnen geholfen. Oft gerade den Menschen, die es nicht erwartet hätten. Das hat Türen geöffnet! Darum schreibt Paulus, dass durch Jesus die „Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes“ (Titus 3,4) sichtbar wurde. Er war die Freundlichkeit in Person.

Freundlichkeit ist eine Frucht des Geistes. Früchte kann man nicht produzieren. Sie müssen wachsen und reifen. Das kostet Zeit und ist mit Aufwand verbunden. Aber ich habe mich entschieden diesen Weg zu gehen. Wenn du das auch möchtest, dann können dir folgende Schritte helfen:

1. Mach dir gegenwärtig, welche genialen Auswirkungen echte Freundlichkeit hat

Z.B. Freundlichkeit nährt deine Seele (Sprüche 11,17), Freundlichkeit führt zu Lohn (Philipper 4,17), Freundlichkeit führt zur Umkehr (Römer 2,4), Freundlichkeit gefällt Gott (3. Johannes 1,6), Freundlichkeit gibt Mut und Hoffnung (Ruth 2,13) usw. Freundlichkeit ist wie Öl im Getriebe, welches eine gute und langlebige Zusammenarbeit zwischen den Zahnrädern ermöglicht. Sie verhilft zu einem guten Miteinander.

2. Prüfe für dich, ob du aufrichtigen Frieden mit Gott und deinen Mitmenschen hast.

Mit diesem Frieden im Herzen fällt es leichter, ungeheuchelt, freundlich und ermutigend zu sein. Jesus spricht davon, dass das Auge das Fenster deines Körpers ist (Matthäus 6,22). Der innere Friede im Herzen bahnt sich seinen Weg nach draußen durch strahlende, freundliche Augen.

3. Gib die dir von Gott gegebene Gnade weiter und sei treu, in dem was du tust und bist. Sprüche 3,4 ist eine Anleitung, wie man nicht nur freundlich, sondern auch noch klug wird: „Gnade und Treue sollen dir nicht verloren gehen. Trage sie wie eine Kette um deinen Hals und schreibe sie dir tief in dein Herz. Dann wirst du freundlich und klug werden und Anerkennung bei Gott und den Menschen finden.“

4. Fang an, den Teufelskreis zu durchbrechen: Rede Gutes statt zurück zu schimpfen.

Segne statt zu fluchen (z.B. im Straßenverkehr). Gib Rat und Kritik so weiter, dass es auch wirklich hilft (Zitat meiner Eltern: „Der Ton macht die Musik“). Entscheide dich vorher, wie du Menschen begegnest (besonders vor schwierigen Gesprächen).



Der Schweizer Clown Grock (1880-1959) hat ein Beispiel gegeben, wie man freundlich mit Menschen umgehen kann, die einen nicht ausstehen können. Er bekam einen Brief, der von Beleidigungen nur so strotzte. Freunde rieten ihm, den Schreiber zu verklagen, denn auch Höflichkeit habe ihre Grenzen. Er soll selbst erfahren, was er anrichtet. Grock aber lächelte und hatte eine bessere Methode. Er schickte den Brief an den Absender zurück mit den folgenden Worten: „Sehr geehrter Herr, ich sende Ihnen diesen Brief zu, da Sie als angesehener und höflicher Bürger dieser Stadt wissen sollten, dass irgendein unverschämter Kerl in Ihrem Namen beleidigende Briefe schreibt…".

Und nie wieder bekam Grock einen beleidigenden Brief. Der Schreiber musste seine Waffen strecken.

NAME: Bernd Hunger

FAMILIENSTATUS: verheiratet, eine Tochter

BERUF: Sozialpädagoge, Abteilungsleiter in einem großen Bildungsträger

CHAPEL: Vorstand im Sozialwerk der Chapel Fürth

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