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Frucht des Geistes: Langmut

von Timo Hauber


Diese Themen-Reihe beschäftigt sich mit der „Frucht des Geistes“.

Diese Frucht ist das Ergebnis eines Lebens mit dem Heiligen Geist im Vergleich zu einem Leben aus dem „Fleisch“, also aus weltlicher Prägung, heraus. Wir finden die Aufzählung der Eigenschaften dieser Frucht im Paulus-Brief an die Galater:

„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.“ Galater 5,22-23



Wenn ich jetzt eine Umfrage starten würde, wer von euch mir die Bedeutung des Wortes ‚Langmut‘ auf verständliche Weise erklären könnte, würde ich wahrscheinlich eine interessante Bandbreite an unterschiedlichen Beschreibungen zu hören bekommen.

Die vierte Ausprägung der Frucht des Geistes klingt nämlich schon in ihrer Formulierung ziemlich ‚altmodisch‘ und wird somit durchaus mal überlesen, unterbewertet – oder einfach mit dem geläufigeren Begriff ‚Geduld‘ übersetzt.

Glücklicherweise gibt es für alle Hobby-Linguisten unter uns jedoch die Erfindung des Dudens, welcher die Bedeutung des Wortes ‚Langmut‘ als eine „durch ruhiges, beherrschtes, nachsichtiges Ertragen oder Abwarten gekennzeichnete Verhaltensweise“ beschreibt.

Hierbei werden mit den Worten ‚Ertragen‘ und ‚Abwarten‘ allerdings direkt zwei Begrifflichkeiten verwendet, welche für die meisten von uns die klassische Vorstellung bzw. Erfahrung einer Geduldsprobe durchaus gut wiedergeben.

Da gibt es diese Momente, in denen man ganz geduldig an einer Baustellen-Ampel die nächste Grünphase abwartet – und es natürlich vollkommen ruhig erträgt, dass der Vordermann sein Auto nun schon zum zweiten Mal abgewürgt hat. Oder den Umstand, dass man zum Abschluss eines anstrengenden Tages einen entspannten Serienabend geplant hat – und ausgerechnet dann die angebliche Glasfaser-Internetverbindung viel langsamer ist als sonst. Und zu guter Letzt macht mancher sogar die Erfahrung, dass auch Mikrowellen eine gewisse Zeit brauchen um ihren Dienst zu verrichten – vor allem, wenn das hungrige Kind nebenher permanent schreit, während das Andere in einer Seelenruhe mal wieder die Höhen des Wandschranks erklimmt.


Solche Situationen des alltäglichen Lebens fordern (und fördern) unsere Geduld auf unterschiedliche Weise und machen sie dadurch zu einer Eigenschaft, die jeder von uns gerne öfter hätte oder bräuchte – oftmals aber nur schwer aus eigener Kraft aufbringen kann.

So gesehen ist es auch ein sehr interessanter Umstand, dass jene Eigenschaft als eine Ausprägung der Frucht des Geistes genannt und dadurch in einen direkten Bezug mit den Auswirkungen eines Lebens im Geist gesetzt wird.

Denn so lustig oder frustig sich manche unliebsamen Geduldsproben auch nachempfinden oder nacherzählen lassen, stelle ich doch immer wieder fest, dass Geduld etwas ist, das ich sowohl in meinem Umgang zu meiner Umwelt und meinen Mitmenschen, als auch in der Beziehung zu mir selbst und meinem himmlischen Vater sowohl brauche als auch entwickle.



Vielleicht kennst auch du solche Situationen, in denen du einem Menschen schon zum x-ten Mal zu etwas aufgefordert hast und dem aus unterschiedlichen Gründen einfach nicht nachkommt. Oder du dich selbst zum wiederholten Mal an einem Projekt, Ziel oder einer Charaktereigenschaft versuchst und trotz aller Mühen nicht in deinem gewünschten Tempo vorankommst. Oder du schon seit Wochen oder Jahren für etwas oder jemanden betest, aber immer wieder das Gefühl hast, dass deine Worte irgendwo im luftleeren Raum verschwinden – und irgendwie nichts passiert?!

Gerade in einer Zeit in der gefühlt alles auf Abruf, Knopfdruck oder über ‚Overnight-Express‘ verfügbar ist, scheinen jedoch auch die Geduldsfäden in Bezug auf geistliche oder charakterliche Prozesse immer kürzer zu werden. Auch ich ertappe mich selbst immer wieder dabei, wie ich über andere, mich oder auch Gott frustriert bin, wenn sich die Dinge nicht in dem Tempo entwickeln, dass ich innerlich für sie veranschlagt habe und ich denselben Prozess wieder und wieder durchlaufen muss.

Doch das ist genau der springende Punkt. Wir reden hier nämlich nicht von einer Eigenschaft die einfach ‚Overnight‘ (dt. über Nacht) entsteht bzw. geliefert wird, sondern von einer Frucht, die Stück für Stück in mir heranwächst und immer wieder gesät, gegossen, gepflegt und auch geerntet werden darf.

Wie in der obigen Definition bereits angeklungen geht es in der vierten Ausprägung der Frucht des Geistes vielmehr um eine langanhaltende Einstellung als um ein kurzfristiges Aushalten von Verkehrsstaus, Kassenschlangen oder langsamen Internetverbindungen zur Serien-Prime-Time ;)



Aus diesem Grund wird in der ursprünglichen Übersetzung dieses Verses auch das Wort ‚Langmut‘ anstatt ‚Geduld‘ gebraucht, da dieses in seiner griechischen Bedeutung neben Geduld auch die Begriffe Ausdauer, Konstanz, Standhaftigkeit, Beharrlichkeit und Nachsicht impliziert.

Es geht bei der Entwicklung von ‚Langmut‘ in unserem Leben also um die Eigenschaft in unseren Lebens- und Glaubensprozessen eine Art Mut zur Langsamkeit zu entdecken – allerdings weniger im Sinne einer anhaltenden Stagnation oder Resignation. Diese wachsende Frucht des Geistes bringt uns vielmehr in das Bewusstsein, in unserer Beziehung zu Gott, unseren Mitmenschen und auch uns selbst nur einen Schritt nach dem anderen gehen zu können … und hilft uns dadurch wiederum eine gewisse Gelassenheit, Beständigkeit aber auch Nachsichtigkeit in jedem dieser Beziehungsbereiche zu entwickeln.

Egal wo du jetzt also gerade stehst oder gerne stehen würdest. Du bist auf einem Weg, der dir jeden Tag neu die Möglichkeit gibt die Frucht des Geistes in all ihren Ausprägungen zu säen, zu pflegen oder auch zu ernten. Vergiss dabei aber nicht, dass eine solche Frucht ihre natürliche Wachstumszeit braucht und nicht einfach auf Knopfdruck hervorgebracht werden kann.

Doch genau wie bei der Definition von ‚Langmut‘ geht es eben auch in unserem Leben nicht nur darum, möglichst schnell und souverän alle aufkommenden Glaubens- und Geduldsproben zu meistern, sondern genau diese zu nutzen um Schritt für Schritt eine ruhigen, nachsichtigen und somit langmütigen Umgang gegenüber mir selbst, meinen Mitmenschen und himmlischen Vater in der Kraft des Heiligen Geistes zu entwickeln.

Dafür ist er unser Beistand, Helfer und Tröster. Und ich wünsche dir, dass du deine aktuellen und zukünftigen Lebensprozesse mit diesem Mut zu Langsamkeit annehmen und jene Frucht des Geistes immer mehr entdecken, entwickeln und in deinem Alltag erleben kannst.



NAME: Timo Hauber

BERUF: Mitarbeiter bei SHINE Deutschland, der Schülerarbeit von Campus für Christus

CHAPEL: WG-Bewohner und Gebetsteam

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