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Frucht des Geistes: Liebe

von Anni Skibitzki


Diese Themen-Reihe beschäftigt sich mit der „Frucht des Geistes“.

Diese Frucht ist das Ergebnis eines Lebens mit dem Heiligen Geist im Vergleich zu einem Leben aus dem „Fleisch“, also aus weltlicher Prägung, heraus. Wir finden die Aufzählung der Eigenschaften dieser Frucht im Paulus Brief an die Galater:


„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.“ Galater 5,22-23


WAS IST LIEBE EIGENTLICH?

Welche Emotionen kommen in dir hoch, wenn du das Wort „Liebe“ hörst? Wie stellst du dir „Liebe“ vor? Was macht sie aus? Wie fühlt sie sich an? Wie hört sie sich an? 

Ich glaube, dass vielen von uns zuerst die romantische Liebe einfällt, wie sie uns Bücher und Filme seit Jahrzehnten vermitteln. Eine Liebe, die vor allem auf Gefühlen basiert und die verschwindet, wenn diese Gefühle verschwinden. Eine Liebe, die vielleicht belustigt und unser Herz berührt, aber die sich nur auf einen kleinen Teil unseres Lebens beschränkt. Eine Liebe, die es so oft gar nicht gibt. Eine Liebe, die - weil sie intensiv und vielleicht auch ein bisschen idealistisch ist - schnell in Kummer und Schmerz, Trennung und Einsamkeit enden kann. 


Die Bibel sagt Einiges zum Thema "Liebe". Das Außergewöhnlichste ist vielleicht folgender Vers:


„Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

1. Johannes 4,16b


Wie kann Gott diese oben beschriebene Liebe sein? Passt das zusammen? Ich glaube nicht! Ich glaube, wir haben oft ein komplett verzerrtes Bild von Liebe. 

Das griechische Wort, das in Galater 5,22 für „Liebe“ steht, ist „agápē“. Dieses Wort steht in der Bibel im direkten Vergleich zu anderen Begriffen für „Liebe“ wie „eros, storge und philia“, die für die menschliche Liebe benutzt werden. Die „agápē“-Liebe ist also eine andere: Sie ist die „göttliche Liebe“. Die Liebe, die Gott selbst ist, aber auch die Liebe, mit der Gott uns und diese Welt liebt. Wow! Über diese „agápē-Liebe“ wurden schon ganze Bücher geschrieben.




Ich beschränke mich heute auf drei Eigenschaften, die unser menschliches Verständnis von „Liebe“ ins Wanken bringen:



1 . LIEBEN, OHNE BEDENKEN


Jesus antwortet auf die Frage nach dem größtem Gebot:


„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft! An zweiter Stelle steht das Gebot: Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!“ Markus 12,30-31


Wir sollen nicht nur unsere Mitmenschen lieben, wie es viele Personen auch ohne religiösen Hintergrund tun, sondern unseren Gott lieben - „von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft“. Puh, mit allem was wir haben, in jedem Bereich unseres Lebens und auf jede Art und Weise, die wir uns nur vorstellen können. Aber wie?

Oft sehen wir uns als Mittelpunkt unseres Lebens. Alles messen wir an unserer persönlichen Situation und unserer subjektiven Einschätzung. Dabei vergessen wir oft: Unser Gott ist der Gott, der das Universum geschaffen hat, der alle Kontrolle über Raum und Zeit hat, der mich aus Liebe durch Jesus erlöst hat und und und. Er ist uns nichts schuldig und er müsste uns keinerlei Beachtung schenken. Aber dennoch tut er es - aus purer Liebe und voller Gnade. So sehr liebt er mich. Ich hingegen… Naja, ich nehme mir schon mal Zeit für ihn, wenn ich es gerade einrichten kann. Ich gehe mal mehr mal weniger brav in den Gottesdienst und wenn mir die Leute sympathisch sind, diene ich auch mal in einem Team meiner Gemeinde mit. Natürlich ist das sehr einseitig und überspitzt ausgedrückt. Aber mal ehrlich: Wie schaut meine Liebe zu Gott wirklich aus? Ja, ich werde ihn nie so lieben können, wie er mich liebt. Aber dennoch: Hab ich alles rausgeholt, was geht? Und noch viel mehr: Ist es wirklich - mal ganz ehrlich - mein größter Herzenswunsch, Gott zu lieben „von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft?“




2. LIEBEN, OHNE GEGENLEISTUNG


Gott hat ein tiefes Bedürfnis nach Liebe in das menschliche Wesen gepflanzt. Jeder will geliebt sein! Ich erwische mich immer wieder dabei, wenn ich so eine Bibelstelle wie die „Frucht des Geistes“ lese, dass ich mich als rechtmäßigen Empfänger dieser Eigenschaften sehe. Ich will Liebe empfangen. Ich will Freude empfangen. Ich will Frieden empfangen und so weiter. Doch darum geht es nicht primär. Wir haben zwar einen Gott, der uns liebt und er liebt es, wenn wir seine Liebe, seine Freude, seinen Frieden… auch emotional spüren. Aber das ist pure Gnade und nicht unser rechtmäßiger Anspruch. 

Der Kontext der Bibelstelle macht deutlich, dass nicht wir die primären Empfänger dieser genialen Dinge sind, sondern unser Nächster.


„Lasst den Geist Gottes euer Verhalten bestimmen, dann werdet ihr nicht mehr den Begierden eurer eigenen Natur nachgeben. (…) Nun, wer zu Jesus Christus gehört, hat seine eigene Natur mit ihren Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Da wir also durch Gottes Geist ein neues Leben haben, wollen wir uns jetzt auch auf Schritt und Tritt von diesem Geist bestimmen lassen.“ Galater 5,15 + 24-25


Kann es sein, dass Gott lieben heißt, meine Mitmenschen zu lieben? Die Worte Jesu aus Markus 12 werden gern als „Doppelgebot der Liebe“ bezeichnet. Gott hätte auch sagen können, dass wir nur ihn lieben sollen - ihn alleine! Ich glaube, dass Gott nicht ohne Grund ein Doppelgebot zum wichtigstem Gebot gemacht hat. Wenn wir Gott lieben, dann wollen wir das tun, was sein Herz bewegt. Und verrückter Weise sind das seine geliebten Kinder; vor allem die, die ihn noch nicht für sich erkannt haben. Wenn wir Gott wirklich lieben, können wir nicht anders als unsere Mitmenschen zu lieben, weil er sie so sehr liebt. Er wünscht sich, dass wir andere so sehr lieben, wie er uns liebt - ohne Gegenleistung der Person. Obwohl das nur bedingt stimmt. Meine Oma hat immer gesagt: „Schätzle (schwäbisch ;), Gott lässcht sich nichts schenkge.“ Das habe ich in meinem Leben erfahren! Auch wenn wir keine direkte Gegenleistung der Person empfangen, kümmert sich Gott um uns und segnet uns. Auch wenn es manchmal anders aussieht, als wir es gerne hätten. 

3. LIEBEN, OBWOHL ES UNMÖGLICH IST



Wow, das Thema fordert mich unglaublich heraus! Ich bin ein Perfektionist und mache die Dinge gern „richtig“. Aber wie soll ich so bedingungslos lieben - Gott und meine Mitmenschen? Es ist absolut unmöglich, das aus eigener Kraft zu erzeugen. Und genau darum geht es: 

Die Frucht des Geistes ist eine logische Konsequenz aus unserer Entscheidung, Gottes Geist in uns wirken zu lassen. Es heißt nicht: „Wenn du ein guter Christ bist, dann strengst du dich total an, um zu lieben.“ Es ist eine verrückte Liebe, die nur Gott in uns freisetzen kann. Paulus unterstreicht dies mit den Worten:


„Aus eigener Kraft sind wir dieser Aufgabe nicht gewachsen; es gibt nichts, was wir uns als Verdienst anrechnen könnten. Nein, unsere Befähigung verdanken wir Gott. Er hat uns fähig gemacht, Diener des neuen Bundes zu sein  – eines Bundes, der sich nicht mehr auf das schriftlich niedergelegte Gesetz gründet, sondern auf das Wirken von Gottes Geist. Denn das Gesetz bringt den Tod, aber der Geist Gottes macht lebendig.“ 2. Korinther 3,5-6


Das macht mich ehrfürchtig und dankbar, ja es macht mich frei von Druck. Und genau das ist sein Wunsch für uns: Wir lassen uns darauf ein diese Liebe Gottes nicht nur zu erfahren, sondern auch unser Leben lang darin zu wachsen, ihn und unsere Mitmenschen so gut wie möglich zu lieben. Nicht aus unserer Stärke heraus, sondern aus Gottes Geist, der in uns jeden Tag mehr Raum einnehmen darf. Denn:


„Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

1. Johannes 4, 16b





INSPIRATION ZU DEM THEMA

 

Buch von Francis Chan: „Eine vollkommen verrückte Liebe: Überwältigt von einem Gott, der nie aufgibt.“ 

NAME: Anni Skibitzki

FAMILIENSTATUS: verheiratet mit Gabriel Skibitzki

BERUF: Mama von Lion und Ella sowie Pastorale Führungskraft

CHAPEL: Gemeindeleitung und eine Leiterin des Event-Referats

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