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Warten auf das Beste

von Harold Koch


Eine Sache, die uns Menschen in der Regel ziemlich schwer fällt, ist das warten! Warten bedeutet eine bestimmte Erwartung auf etwas, auf das sich unsere Gedanken und unsere Emotionen fixiert haben.

Und genau dieser Wunsch hat sich nicht - oder nicht wie erwartet - erfüllt. Unsere Seele wird in dieser Anspannung und Erregung nicht gelöst. Es soll kommen, aber es ist eben noch nicht da. Wir warten!

Schon vor Corona können wir Wartezimmer nicht leiden. Ein überfülltes Wartezimmer kann unser Gefühlslevel von „rosaroten Schmetterlingen, die in der Sonne tanzen, innerhalb von Sekunden in dunkle Abgründe stürzen lassen.

Und jetzt kommt auch noch diese Krise um die Ecke und wir werden in unserer Fähigkeit zu warten so richtig ausgedehnt. Viele haben das schon erlebt oder sie werden es spätestens in den nächsten Wochen erleben. Sei es beim Anstellen bei einer Teststation, sei es in der Menschenschlange am Eingang zum Baumarkt oder das Warten im Restaurant bis du endlich einen Tisch zugewiesen bekommst.

Warten – das mögen wir nicht! Deshalb macht Amazon auch einen Milliarden Gewinn in dieser Krise.


Menschen haben verlernt zu warten. Man will etwas und zwar sofort.


Und wenn ich nicht das Geld für das Begehrte habe, dann mache ich eben ein bisschen Minus auf dem Konto, aber ich muss das JETZT haben.

Schade! Wir verlieren Etwas, das unsere Seele eigentlich braucht. Warten kann ein echter Gewinn sein. Wir haben eine Chance unsere Begrenzung als Mensch zu fühlen. Offensichtlich können wir gerade eben nichts tun, um unsere Situation zu verändern. Das zu bejahen wird unsere innere Unruhe auflösen.

Wenn es uns gelingt umzuschalten und wenn wir zu uns selbst sagen: „OK, es ist wie es ist! Ich werde hier warten.“, dann kann das zu einer „Ruhe-Oase“ für unsere angespannten Nerven werden und der Druck löst sich.


Viele berauben sich dem Gefühl der Erfüllung, z.B. wenn man für einen bestimmten Wunsch gespart hat, wenn man sich investiert hat, wenn man wartet und die Monate, Wochen und Tage zählt, bis sich dieser Wunsch erfüllen wird. Dann hat das Level der Freude, die unsere Seele bei der Erfüllung überflutet eine viel höhere Intensität.

Und nun noch ein Aspekt für alle, die sagen würden, dass sie Gott lieben. Wenn warten schon zu unserem Leben gehört und in Zukunft wahrscheinlich noch viel mehr dazu gehören wird, warum sollten wir dann nicht auf das Wertvollste warten, das es überhaupt nur gibt?


Wenn schon warten, warum dann nicht auf das Wertvollste?

Der Psalm-Schreiber hat für sich beschlossen, dass er im Blick auf die Vergänglichkeit der meisten Dinge, in die Menschen investieren, ZUERST auf Gott selbst warten will.


Psalm 39,8 „Worauf soll ich denn nun meine Hoffnung setzen, Herr? Mein Warten und meine Hoffnung gilt dir allein!“


Wenn wir auf Gott selbst warten wird während diesen Prozesses unsere Seele mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit gesättigt. Wir dürfen sicher sein, dass wenn Gott das Ziel unseres „Wartens“ ist, wir niemals vergeblich warten werden. Wir warten schließlich auf die Offenbarung eines Gottes, der seine Kinder niemals enttäuschen wird.

In der Bibel finden wir gleich zwei solcher auf den ersten Blick unverständlichen Aufforderungen. Die eine ist: Wir sollen Gott suchen! Und mit der Anderen beschäftigen wir uns in diesem Blog-Eintrag besonders: die Aufforderung auf Gott zu warten.

Hat sich Gott versteckt, dass wir nach ihm suchen sollten? Ja, in gewisser Weise ist Gott tatsächlich für uns verborgen. Er hat sich aber nicht vor uns - sondern für uns versteckt. Er will von uns gefunden werden! Gott verbirgt sich vor uns, weil er uns herausfordern will, dass wir uns in der „Suche“ nach ihm ganz auf ihn fokussieren. Gott kennt uns Menschen. Er hat uns schließlich geschaffen. Wir sind beschäftigt, unsere Seele ist laut, unsere Zweifel schreien in uns herum, wir werden von 100 Dingen abgelenkt.

Was geschieht mit dir, wenn du etwas Wichtiges suchst? Sagen wir mal deine EC Bankkarte ist weg. Während du suchst ist alles in deinem Denken fokussiert. Du hast auf einmal nur noch EIN ZIEL: Ich muss diese Karte finden. Genau so ist es, wenn du wirklich Gott suchst! Dann fallen nach und nach viele andere störende, ablenkende, dich gefangen nehmende Gedanken und Gefühle von dir ab.

Und so ist es auch beim Warten auf Gott.


Unsere Seele ist noch so wenig daran gewöhnt, in Gemeinschaft mit Gott zu bleiben.


Warten auf Gott bedeutet seine Erwartungen nur auf ein Ziel auszurichten: Gott selbst! Auf diesen, alle unsere Vorstellungen übertreffenden allmächtigen, allgegenwärtigen, herrlichen, uns liebenden Gott. Wobei das Ziel unseres Wartens nicht sein Handeln, sein Reden, sein Eingreifen ist, sondern ER selbst! Dort, bei ihm selbst kommt unsere Seele zur Ruhe. Wenn ER die „Belohnung“ unseres Wartens ist, dann kann es unmöglich eine Enttäuschung geben.


Wenn wir ehrlich sind, dann sind wir immer wieder von Gott enttäuscht. Weil er nicht so handelt, nicht so eingreift, wie wir uns das in unseren Wünschen ausgedacht haben.

Dann kommt es zu diesen seelischen Einbrüchen unter dem Motto: „Gott, warum so und nicht so wie ich das wollte?“ „Gott wieso hast du das zugelassen?“ „Gott, also ehrlich gesagt bin ich gerade in dieser Krisenzeit enttäuscht von dir.“

Wenn wir aber auf Gott warten um seiner selbst willen und wir wie dieser Liederdichter sagen können:

Psalm 130,6 "Ich warte auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen, ja, mehr als die Wächter auf den Morgen."

Dann wird eine tiefe Ruhe und ein unsere Seele überflutendes Glücksgefühl dieses „Warten auf Gott“ begleiten. Beten wir, dass wir wieder so ein starkes Verlangen nach der spürbaren Gegenwart Gottes in uns haben. Wir können uns nur schwer vorstellen, wie sehr der Wächter in den kalten Nächten auf dem Turm nur eine Sache ersehnt hat: Wann wird sich dieser feine Silberstreifen am Horizont zeigen, der den neuen Tag hervorbringen wird? Und dieser Anbeter im Psalm 130 sagt zweimal: „mehr als die Wächter auf den Morgen“ so wartet meine Seele auf den lebendigen Gott.


Vielleicht ist das die große Chance dieser „Corona-Krise“, dass das „Warten müssen“ uns daran erinnert, dass das Warten auf IHN niemals enttäuscht wird.


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